Küche

Die Einrichtung der Küche orientiert sich hauptsächlich an den Funden des Osebergschiffes, das 1904 unter einem Grabhügel auf dem Oseberg-Hof in Norwegen gefunden wurde.DSCI0003

Archäologische Funde von Nahrungsmitteln sind meist nur auf die Überbleibsel der Knochen oder leichte Spuren von Getreidesorten an Holzüberresten beschränkt. Auch der gut konservierte Mageninhalt des sogenannten „Tollund-Mannes“, welcher einen Brei aus verschiedenen Samen enthielt, gibt nur wenig Aufschluss über die tägliche Kost im nordgermanischen Raum. Bei der aufgelisteten Auswahl an Gemüse, Obst, Getreidesorten, Milchprodukten und Kräutern handelt es sich um eine Übersicht an Nahrungsmitteln, die aus der heutigen Zeit kaum wegzudenken wäre. Trotz der eher harten Bedingungen, die der Norden Europas für die Landwirtschaft bietet, sollten wir uns den Speiseplan der frühmittelalterlichen Herren und Damen Skandinaviens nicht zu trostlos vorstellen. Nachgeeifert wurde dem angelsächsischen und vor allem dem fränkischen Adel, welcher seineKontakte bis weit über die eigenen Grenzen (in Bezug auf Import von Luxusgütern) hielt.

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Äpfel: Ursprung wahrscheinlich im heutigen Kaukasus. Verbreitung nach Mitteleuropa vermutlich noch vor dem 1. Jhd. unserer Zeitrechnung.

Birnen: Für das Vorkommen von Birnen in Europa gibt es schon schriftliche Belege aus der Antike. Wann genau sie ihren Weg nach Nordeuropa fanden oder gar dort heimisch wurden, ist unbekannt.

Butter: Die Herstellung von Butter im wikingerzeitlichen Skandinavien ist durch einen Fund belegt.

Dill: Der Dill ist für das 8. Jhd. n.Chr. in angelsächsischen und fränkischen Speiseplänen der Oberschicht integriert, sodass seine Verwendung auch in vornehmeren skandinavischen Häusern vorstellbar ist.

Dinkel: Er fand seine Verbreitung in Mitteleuropa schon zur Zeit der Alemannen und Franken (ab dem 6. Jhd. n. Chr.)

Erbsen: Eher ein Importprodukt. Ein sicheres Vorkommen gab es in der heutigen Türkei, und das bereits seit der Antike.

Fisch: Ohne historische Belege zu nennen, handelt es sich bei Fisch wahrscheinlich um ein Grundnahrungsmittel der Küstenbewohnern, egal in welcher Region dieser Welt.

Gerste: Ähnlich wie der Dinkel schon für das frühe Mittelalter in Europa nachweisbar.

Hafer: Wuchs vermutlich zunächst als „Beigras“ auf den Weizen- und Gerstenfeldern. Eine genaue Zeitangabe darüber, wann dieser gezielt kultiviert wurde, gibt es jedoch nicht.

Haselnuss: Ihre Verbreitung in Frankreich, Italien und Süddeutschland ist von der Antike bis zum 7. Jhd. n. Chr. belegt. Auch diese würde ich als Delikatesse bezeichnen.

Hefe: Das Vorkommen von Hefe ist durch die Herstellung von Bier und Wein nachweisbar. Es ist anzunehmen, das ihr Nutzen auch zum Backen von Brot gekannt wurde.

Heidelbeere: Wie viele Beeren und Wildfrüchte eine der wenigen heimischen Kulinaritäten in Norddeutschland und Skandinavien.

Himbeere: Auch die Himbeere erlebte schon in der Antike Einzug nach Nordeuropa.

Honig: Nachweisbar in Holzgefäßen, zur Süßung von Getränken. Ob dieser durch „Honigjäger“ an Wildbienenvölkern gesammelt oder durch professionelle Imkerei erwirtschaftet wurde, kann nicht nachgewiesen werden.

Hopfen: Eine Vielzahl an schriftlichen Quellen, beginnend im 7. Jhd. n. Chr. in Mitteleuropa, beweisen den gezielten Anbau des Hanfgewächses.

Karotte: Eine der ersten Gemüsesorten, die schon in der Bronzezeit angebaut wurde. Wie andere Rüben bedarf sie keiner optimalen Wetterbedingungen und konnte so auch in „raueren“ Gegenden gedeihen.

Knoblauch/ Lauch: Man darf hoffen, dass auch der Knoblauch und der Lauch als Importware vom Frankenreich an manchem Tisch einer skandinavischen Familie gelangte.

Kümmel: Schriftliche Belege gibt es zur Zeit Karls des Großen. Auch hier ist es nur eine Importfrage.

Leinsamen: Sowie der aus der Flachspflanze gewonnene Stoff für das Frühmittelalter auch in Skandinavien belegt ist, dürfen auch die Samen und deren Erzeugnisse (Leinöl) mit auf den Tisch der Wikingerzeit.

Linsen: Funde aus bandkeramischer Zeit in Mitteleuropa sprechen dafür, dass man die Linse als „heimisch“ für Europa ansehen darf.

Mangold: Mit seinen vielen Unterarten ist es schwer den Mangold bzw. seinen Ursprung als wildes Gewächs klar zu datieren. Fakt ist, dass er seit Jahrtausenden in Europa wächst.

Pilze: Bei der Auswahl sollte man sich auf die Sorten beschränken, die auf natürliche Weise in den nordeuropäischen Wiesen und Wäldern wachsen.

Quark: Als Nebenprodukt der Käseherstellung ist auch das Verzehren von Quark im Frühmittelalter gut vorstellbar.

Roggen: Erster kultivierter Anbau ab dem 5. Jhd. v. Chr. in Mitteleuropa belegt.

Sellerie: Belege ab der späten Völkerwanderungszeit für Mittel- und Nordeuropa.

Trauben: Trotz der Belegbarkeit für das Vorkommen von Wein sollte man eher sparsam im Umgang mit Trauben für den nordeuropäischen Haushalt der Wikingerzeit sein.

Weizen: Aus Emmer und Einkorn entstand nach jahrelanger Kultivierung der heutige Saatweizen. (schon Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung).

Zwiebeln: Schon in der Antike verbreitete sich das von den Römern ins Land gebrachte Gemüse so rasch, dass diese bei der ärmeren Schicht sogar als Grundnahrungsmittel galt.

Quellen: Rannveig Moroldsdotter: „Kochen wie die Wikinger“; Achim Werner, Jens Dummer: „Kochen durch die Epochen“; Gräupel-Müller: „Alamannen Kochbuch“